1600 Fans feiern Handball-Fest gegen Pforzheim

11.04.2022 8:54
Foto: Peter Pisa

Die Sehnsucht der Konstanzer nach einem Handball-Fest war groß. Über 1600 Fans verwandelten die Schänzle-Hölle in einen kochenden Hexenkessel und bedeuten aktuelle Rekordkulisse in beiden Gruppen der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Mit der HSG Konstanz und der SG Pforzheim/Eutingen lieferten sich zwei starke Mannschaften einen hochklassigen, höchst intensiven Schlagabtausch. Das packende Duell ging schließlich mit 31:27 (16:12) an die HSG, die mit 4:0 Punkten die Tabellenspitze verteidigte. Das letzte Heimspiel in der Gruppenphase findet am 14. Mai, 20 Uhr, gegen Pfullingen statt. Tickets sind unter www.hsgkonstanz.de/tickets erhältlich.

„Beeindruckende Kulisse und unfassbare Energie von Halle und Defensive“

Zwei Jahre hatten Konstanz und die HSG nach diesen Momenten gedürstet. Für Gänsehaut schon beim Einlaufen unter ohrenbetäubendem Lärm. Für einen lauten Schrei aus 1600 Kehlen wenig später, als Youngster David Knezevic mit einem wuchtigen Schlagwurf in den Knick den heißen Schlagabtausch mit dem 1:0 eröffnete und die Arme nach oben riss. „Das war überragend heute“, strahlte er später. Oder als die HSG von 12:12 kurz vor der Pause anzog und auf 16:12 stellte. „Eine beeindruckende Kulisse“, merkte Gästetrainer Alexander Lipps an. „Als Spieler kannte ich das schon ein bisschen und wir hatten große, große Vorfreude auf dieses Highlight-Spiel. Eine unfassbare Energie der Halle und der HSG-Defensive.“ Stolz war der Coach aber auch zurecht auf seine Mannschaft, die bis zwei Minuten vor Schluss am Punktgewinn schnupperte. Lipps: „Das war mit die beste Partie, die meine Mannschaft unter meiner Regie absolviert hat.“ Für sein Gegenüber Jörg Lützelberger war die bemerkenswerte Vorstellung des Gegners keine Überraschung, trotz des großen Understatements im Vorfeld. Lützelberger lachte: „Gegen uns stapelt jeder Gegner tief, dann stehen sie aber doch alle mit sieben Feldspielern auf dem Spielfeld. Wir nehmen diese Rolle und Herausforderung aber an. Dennoch ist es in ihr viel schwerer gut Handball zu spielen als wenn du nichts zu verlieren hast. Das ist für uns alle eine super lehrreiche Zeit.“

Pforzheim dreht das Spiel nach Roter Karte in doppelter Unterzahl

Vom Start weg. Mit einer sehr offensiven Deckung nahm sie den wurfstarken Rückraum der Gäste an die Kette und ließ etwa Jugend-Nationalspieler Nico Schöttle, der zuletzt regelmäßig zweistellig traf, nur zu einem Treffer kommen. Dafür waren Leon Gerstner und Tim Ganz zur Stelle, die zum 12:12 ausglichen (24.).  Vor der Pause kamen die Gelb-Blauen jedoch das erste Mal so richtig ins Laufen. Mit einem 4:0-Lauf sicherten sie sich zur Pause einen Vier-Tore-Vorsprung. „Dass eine gute Mannschaft wie Pforzheim sich nicht abschütteln lässt, hat mich ebenso wenig überrascht“, so Lützelberger zum sich zuspitzenden Drama nach dem Seitenwechsel. Mit 18:15 lag Konstanz in Front, als Pascal Kirchenbauer mit der Roten Karte disqualifiziert wurde. Wenig später musste Pforzheim sogar in doppelter Unterzahl agieren. Danach kam der 214-fache Erstliga-Keeper Bastian Rutschmann, der bis dahin keine Hand an den Ball bekommen hatte, ins Rollen. Erst entschärfte er einen Siebenmeter, danach wurde er zum wichtigen Faktor, der seiner Mannschaft nun ein ganz anderes Spiel ermöglichte. Die Unterzahlsituation ging damit 2:0 an die Gäste, die sich auf 18:19 heranrobbten. Jonathan Buck war es, der nach 45 Minuten gar die erste Führung für seine Farben im gesamten Spiel markierte (20:21).

Fairer Sportsmann Samuel Wendel gibt Ballbesitz bei 28:26 an den Gegner

Die Reaktion der HSG Konstanz: Noch mehr Leidenschaft, Wille und Energie vor allem in der Deckung, in der mit Jo Knipp ein weiterer Youngster überzeugen konnte und dem durch die Nachwirkungen seiner Corona-Erkrankung geschwächten Fynn Beckmann wichtige Pausen und Energie für die Offensive verschaffte. Hier war der Linkshänder nicht zu kontrollieren und zusammen mit Kapitän Tim Bornhauser, der in schwierigen Phasen einmal mehr der ruhende Pol mit klugen Entscheidungen war, einer der Matchwinner für die HSG. Als Jo Knipp sich mit voller Wucht zum 27:24 durchtankte schien eine kleine Vorentscheidung gefallen zu sein – bis der Abend auch für Lars Michelberger schon nach 54 Minuten durch eine Rote Karte vorzeitig beendet wurde. In der intensiven, aber überaus fairen Partie zeigte sich Samuel Wendel als ganz fairer Sportsmann. Beim Stand von 28:26 vier Minuten vor Schluss signalisierte er den Schiedsrichtern, dass er mit den Fingern am Ball war. Die Folge: Einwurf für die Goldstädter und der Abschlusstreffer zum 27:28 durch Tim Ganz. Der eingewechselte Maximilian Wolf verhinderte in der Schlussphase mit spektakulären Paraden jedoch Schlimmeres. So konnte sich der starke David Knezevic ein Herz fassen, ehe Bornhauser und Niklas Ingenpaß die schon Minuten vor Schluss im Stehen begeistert mitgehende Schänzle-Hölle jubeln ließ. Wendel hatte gar noch einen Gegenstoß zum vermeintlichen 32:27 versenkt – Sekundenbruchteile zu spät und nach der Sirene. „Kompliment an den Gegner, aber auch unsere Mannschaft, die es über großen Kampf und eine große Teamleistung geschafft hat, die Punkte zu holen“, atmete Lützelberger anschließend erst einmal tief durch. „Ich bin wirklich stolz auf die Jungs.“ SG-Trainer Lipps brachte es auf den Punkt: „Ein riesiges Lob an beide Mannschaften. Ich denke das ist maximale Werbung für den Handballsport. Es war nie hart, nur unfassbar intensiv.“ Die dafür gebührende Bühne bereiteten frenetisch mitgehende Fans vor der bislang bundesweit größten Kulisse in der Aufstiegsrunde.

Nächstes Heimspiel am 14. Mai gegen Pfullingen

Weiter geht es für die HSG Konstanz erst nach Ostern am 23. April um 19 Uhr bei der HSG Krefeld, ehe es am 14. Mai nach einem weiteren Auswärtsspiel bei der SG Schalksmühle/Halver am 14. Mai um 20 Uhr zum Finale der Gruppenphase gegen den VfL Pfullingen im Tollhaus am Schänzle kommt.

 

Quelle: PM HSG Konstanz

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