MT dreht nach Halbzeitrückstand das Spiel und schlägt Erlangen

19.12.2021 19:53
Foto: Heinz Hartung

Im letzten Heimspiel des Jahres hat die MT Melsungen noch einmal doppelt gepunktet. Allerdings war das 30:28 (11:16) gegen den HC Erlangen ganz harte Arbeit. Denn nach gutem Beginn verloren die Nordhessen Mitte der ersten Hälfte die Kontrolle über die Partie und gerieten streckenweise mit sechs Toren ins Hintertreffen. Erst in der Schlussviertelstunde gelang es nach einer zwischenzeitlichen Aufholjagd, selbst wieder in Vorlage zu gehen. Was insbesondere der starken kämpferischen Leistung geschuldet war. Allerdings auch Tobias Reichmann, der mit sieben Toren zum treffsichersten Melsunger Schützen avancierte. Für Erlangen war Simon Jeppsson ebenfalls siebenmal erfolgreich.

Mit der gleichen, bewährten Besetzung, die vier Tage zuvor die Viertelfinal-Teilnahme gegen den Bergischen HC realisiert hatte, startete die MT in ihre letzte Heimbegegnung des Jahres gegen den HCE, der durch einen Kantersieg über die HSG Wetzlar unter der Woche ebenfalls die Runde der letzten Acht erreicht hatte. Zwei Teams mit einem guten Gefühl also, die sich beide Zählbares ausrechneten, aber von der Spielauffassung der Anfangsphase gegensätzlicher kaum hätten auftreten können. Während Erlangen seine Angriffe auffallend in die Länge zog und in jedem der ersten Angriffe im angezeigten passiven Spiel landete, ging Melsungen sofort hohes Tempo.

Dennoch waren es die Gäste, die das erste Tor erzielten. Durch ein Rückraumtor von Simon Jeppsson, gerade rechtzeitig vor dem Ballverlust ohne Aktion in Richtung Tor. Es sollte das einzige für eine längere Zeit bleiben, obwohl Melsungen im temporeichen Kombinationsspiel Fehler und Ballverluste unterliefen, obwohl Elvar Örn Jonssons Pass zu Timo Kastening auf der Tribüne landete, obwohl Yves Kunkel mit einem frühen Siebenmeter schon an Martin Ziemer scheiterte. Zwei weitere Angriffe resultierten in Strafwürfen, die dann Timo Kastening sicher zur 2:1-Führung verwandelte (5.).

Michael Haaß reagierte ob der Hilflosigkeit der eigenen Mannschaft vor dem rot-weißen Deckungsverbund früh mit der Grünen Karte. Musste allerdings noch weitere drei Minuten warten, ehe erneut Jeppsson auf 3:2 verkürzte. Erst danach wirkte das Spiel der Bayern flüssiger und ausgewogener. Auch wenn Jeppsson weiter ihr auffälligster Akteur blieb. Auch das 5:4 (12.) ging auf sein Konto, bevorteilt von einer Zeitstrafe gegen Kai Häfner. Dann war wieder Kastening dran mit den nächsten Siebenmetern. Von denen der erste an die Latte ging, der zweite nur Sekunden später dann passgenau saß. Melsungens Rechtsaußen hatte sich den Abpraller selbst gesichert, war dann aber gleich wieder regelwidrig am Wurf gehindert worden.

Auch die nächste Strafe gegen Melsungen, diesmal war Alexander Petersson draußen, nutzte Erlangen. Simon Jeppsson zog den Innenblock auseinander, Nico Büdel spazierte durch die Lücke. Und als Arnar Freyr Arnarsson als dritter Rot-Weißer auf die Bank musste, machte Christoph Steiner per Strafwurf das 7:7 (18.). Gefolgt von der nächsten Zwangs-Auszeit von Gleb Kalarash und der doppelten Unterzahl der MT. Die versuchte es als Kompensation mit einem Feldspieler mehr, kam damit aber auch nicht durch. Die Gäste behielten die Übersicht und zogen durch zwei Tore von Johannes Sellin auf 7:10 weg (21.).

Die nächste Auszeit stand an, das Spiel der Hausherren wurde nicht besser. Im Gegenteil nutzte Sebastian Firnhaber einen Tempogegenstoß zum 7:11 (22.), kurz darauf Antonio Metzner einen technischen Fehler der Melsunger Aufbaureihe zum 8:13 (26.). Es war der Wurm drin, nichts wollte gelingen. Landete Kai Häfners Wurf an der Latte und sprang zum Ballverlust ins Seitenaus, bekam Timo Kastening die nächste Strafe dafür, dass sich Metzner in Umklammerung geschickt in ihn hineindrehte. Christoph Steinert traf dafür sogar im Fallen in den Wurfkreis mit dem Rücken zum Tor. Da war der Halbzeitpfiff aus Sicht der Gastgeber dann doch willkommen, obwohl Tobias Reichmann mit dem 11:16 einen noch höheren Pausenrückstand verhinderte.

Der Auftakt zur zweiten Hälfte gelang den Nordhessen. Domagoj Pavlovic traf sofort, die Deckung organisierte den Ball zurück, Kai Häfner verkürzte auf 13:16 und zog sofort noch eine Zeitstrafe gegen Nico Büdel (32.). Das sah gut aus, zumal Arnar Freyr Arnarsson Sebastian Firnhabers Treffer sofort wieder konterte. Zwar traf Firnhaber erneut und schickte gleichzeitig Alexander Petersson zum zweiten Mal auf die Bank. Dafür verabschiedete sich Büdel ebenfalls zum zweiten Mal und Tobias Reichmann stellte per Siebenmeter auf 16:19 (36.).

 


Melsungen war wieder voll drin im Spiel, die Erlanger zurück dort, wo sie angefangen hatten: beim mühevollen suchen etwaiger Lücken, die aber zunächst allein Sebastian Firnhaber fand. Dass Antonio Metzners harmloser Wurf im Tor landete, war eher einem Abwehrarm geschuldet, von dem er unhaltbar für den eingewechselten Silvio Heinevetter zum 18:21 abprallte (39.). Der Schlussmann war dafür bei Simon Jeppssons Versuch aus der zweiten Reihe zur Stelle und ebnete den Weg zum 20:21-Anschluss von Domagoj Pavlovic (43.). Mehr war erst einmal nicht drin für die Gastgeber, denn der HCE fing sich langsam wieder und legte immer wieder vor. Erst das 23:23 durch Domagoj Pavlovic, nach der dritten Heinevetter-Parade innerhalb kurzer Zeit, stellte den Ausgleich doch wieder her (47.).

Ein richtig schöner Treffer war das 24:24 (49.), das Linkshänder Tobias Reichmann, eingelaufen an den Kreis, von der halblinken Position ins kurze Dreieck erzielte. Nicht weniger sehenswert das fast ansatzlose 25:24 von Kai Häfner, nach einer kurzen, präzisen Kombination im Anschluss an Roberto Garcia Parrondos zweite Auszeit der Partie (50.). Melsungen war erstmals seit langer Zeit vorn und dachte nicht daran, das zurückeroberte Terrain wieder herzugeben. Im Gegenteil erhöhte Häfner auf 27:25 (53.). Das bereits gegen Michael Haßferter, der den in der zweiten Hälfte glücklosen Martin Ziemer zwischen den Pfosten abgelöst hatte.

Es spitzte sich zu in der Rothenbach-Halle, weil beide Teams nach sporadischen Versuchen zuvor nun zunehmend auf den siebten Feldspieler setzten und Erlangen dabei für kurze Zeit ein ganz klein wenig mehr Fortune hatte. Simon Jeppsson stellte zum 27:27 erneut gleich (55.). Die letzten Minuten verbrachten die Zuschauer überwiegend stehend. Zu packend war der Schlagabtausch, als dass man sich ruhig hätte zurücklehnen können. Martin Ziemer kam zurück aufs Feld, hatte aber bei Tobias Reichmanns Strafwurf zum 29:28 (58.) keine Chance. Und als Silvio Heinevetter gegen Sebastian Firnhabers Wurf aus kürzester Distanz Sieger blieb, war die Partie durch und Parrondos letzte Auszeit 16 Sekunden vor Schluss brachte genug Ruhe, um Yves Kunkels KO-Schlag zum 30:28 unmittelbar vor dem Abpfiff vorzubereiten.

Stimmen zum Spiel

Roberto Garcia Parrondo: Erlangen hat ein gutes Spiel gemacht, ich kann ihre Enttäuschung verstehen. Wir selbst haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gespielt. Sind zwar gut gestartet, haben dann aber Mitte der ersten Halbzeit viele Probleme bekommen, weil wir in dieser Phase knapp zehn Minuten in Unterzahl spielen mussten und uns die Konzentration fehlte. Mit der zweiten Hälfte war ich dann sehr zufrieden, da haben wir ein anderes Gesicht gezeigt. Vor allem in kämpferischer Hinsicht. Ich möchte mich bedanken bei allen, die uns in dieser Zeit unterstützen. Ob das nun die Mannschaft auf dem Feld ist oder alle anderen drumherum. Für uns war es das letzte Heimspiel des Jahres, deshalb an dieser Stelle frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr für unsere Anhänger.

Michael Haaß: Glückwunsch an Roberto und die MT Melsungen zum Sieg. Für uns war das heute bitter, weil wir hier über weite Strecken geführt haben. In der ersten Hälfte habe ich von uns die stärkste Deckungsleistung der Saison gesehen. Aber nach der Halbzeit lief es dann für uns in die falsche Richtung. Wir konnten vor allem Julius Kühn nicht mehr stoppen, haben nicht genug Zugriff bekommen und auch kein Mittel gegen das 7-gegen-6 von Melsungen gehabt. Am Ende haben dann zwei, drei Fehlwürfe und einige Kleinigkeiten gegen uns entschieden. Das tut sehr weh, denn wir waren sehr nah dran.

MT Melsungen – HC Erlangen 30:28 (11:16)

MT Melsungen: Simic (3 Paraden / 16 Gegentore), Heinevetter (6 P. / 12 G.); Maric, Kühn 5, Reichmann 7/3, Beekmann, Kunkel 3, Jonsson 1, Arnarsson 1, Kalarash, Häfner 5, Hörr, Petersson, Kastening 4/3, Pavlovic 3 - Trainer Roberto Garcia Parrondo.

HC Erlangen: Ziemer (6 P. / 27 G.), Haßferter (0 P. / 3 G.); Sellin 3, Jäger, Overby 2, Fäth, Firnhaber 6, Büdel 1, Bissel 3, Metzner 3, Link, Jeppsson 7, Steinert 3/2, Leban, Olsson, Zechel - Trainer Michael Haaß.

Schiedsrichter: Nils Blümel (Berlin) / Jörg Loppaschewski (Berlin)

Zeitstrafen: 12 – 8 (Häfner 11:02, Petersson 15:06 34:01, Arnarsson 17:56, 19:15, Kastening 26:32 - Bissel 2:55, Link 29:06, Büdel 31:57 35:53).

Strafwürfe: 9/6 – 2/2 (Kunkel scheitert an Ziemer 1:35, Kastening an die Latte 13:05, Kastening scheitert an Ziemer 18:46)

Zuschauer: 1.135 in der Rothenbach-Halle, Kassel.

Das nächste Spiel:
Mi., 22.12.21, 19:05 Uhr, SG Flensburg-Handewitt – MT Melsungen, Flens Arena, Flensburg

Das nächste Heimspiel:
Sa., 12.02.22, 18:00 Uhr, MT Melsungen – HBW Balingen-Weilstetten, Rothenbach-Halle Kassel

 

Quelle: PM MT Melsungen

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